Tiefziehteile in der Praxis

Leitfaden: Top 5 Tipps zur Kostenreduktion im Thermoformen

Die Kosten im Kunststoff Tiefziehen werden vor allem durch Konstruktion, Materialwahl und Werkzeugkonzeption bestimmt. Viele Kostentreiber sind dabei nicht auf den ersten Blick erkennbar und werden oft erst spät im Entwicklungsprozess bemerkt. Genau hier entstehen häufig unnötige Kosten, die sich mit den richtigen Maßnahmen vermeiden lassen.


Autoren-Avatar

Simon Andreß

Aktualisiert am 29. Mai 2026

Kosten reduzieren im Thermoformen Banner
Teilen

Inhalte

Kosten im Thermoformen reduzieren - Das Wichtigste in Kürze

  • Bauteilkonstruktion, Materialwahl und Werkzeugdesign sind die größten Hebel zur Kostenreduktion
  • Fertigungsoptimierte Konstruktion senkt die Stückkosten nachhaltig
  • Reduzierter Materialeinsatz minimiert Kosten direkt
  • Effiziente Werkzeuge verbessern die Wirtschaftlichkeit
  • Frühe Berücksichtigung in der Entwicklungsphase ist entscheidend

Wie entstehen hohe Kosten im Thermoformen?

Die größten Kostentreiber im Kunststoff Thermoformen sind für viele Unternehmen nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Besonders ohne Erfahrung in Konstruktion und Werkzeugdesign werden sie häufig erst sichtbar, wenn Anpassungen bereits mit hohem Aufwand und zusätzlichen Kosten verbunden sind.

Neben dem Materialeinsatz spielen vor allem die Werkzeugkomplexität und die damit verbundenen Prozessschritte eine wichtige Rolle. Oft wird unterschätzt, dass bereits kleine Anpassungen im Design große Auswirkungen haben können. Genau hier liegt das größte Potenzial, Kosten im Thermoformen zu reduzieren. Wir unterstützen Sie dabei, Ihre Bauteile von Beginn an kostenoptimiert zu designen.

5 Tipps für die Kostenreduktion im Thermoformen

Diese Tipps können schon zum Start Ihres Tiefziehprojekts bedacht werden, um den Gesamtpreis Ihrer Kunststoff Tiefziehteile möglichst ökonomisch zu halten.

Bei Tiefziehwerkzeugen haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Mehrere Teile mit einem Werkzeug produzieren
  • Bewegliche Teile vermeiden
  • Mehrfach-Nutzen Werkzeuge verwenden

Auch die Materialwahl bestimmt, wie sich die Kosten im Thermoformen gestalten. Daher sollten Sie:

  • Material bewusst und bedarfsgerecht auswählen
  • Eingefärbtes Halbzeug nutzen
  • den Materialeinsatz durch intelligente Konstruktion reduzieren

In den nächsten Abschnitten erklären wir Ihnen diese Schritte im Detail.

1. Produzieren Sie mehrere Teile mit einem Werkzeug

Ein großer Hebel zur Stückkostenreduktion ist die effiziente Nutzung des Werkzeugs. Ziel ist es, pro Takt einen möglichst hohen Ausstoß zu erreichen. Mehrfach-Nutzen-Werkzeuge sind im Thermoformen gängige Praxis und ermöglichen es, mehrere identische Bauteile gleichzeitig zu produzieren. Aber auch die Kombination unterschiedlicher Komponenten in einem Werkzeug bietet erhebliches Einsparpotenzial. Wie das in der Praxis aussieht, erfahren Sie in unserer Case Study mit NAEXT.

Grafik Mehrfach-Nutzen-Werkzeug
Grafische Abbildung eines Mehrfach-Nutzen-Werkzeugs

2. Vermeiden Sie bewegliche Teile im Werkzeug

Komplexe Bauteilgeometrien, insbesondere Hinterschnitte, führen dazu, dass im Werkzeug bewegliche Elemente notwendig werden. Diese erhöhen die Tiefziehkosten und den Wartungsaufwand erheblich. Deshalb sollten Sie bereits in der Konstruktion prüfen, ob sich das Werkstück so anpassen lässt, dass diese Komplexität entfällt.

Typische Optimierungen sind:

  • Verzicht auf Hinterschnitte
  • Anpassung von Entformungsschrägen
  • Vereinfachung der Geometrie
Grafik Hinterschnitt
Abbildung eines Hinterschnitts.

💡 Hinterschnitte werden durch einklappbare Elemente am Werkzeug ermöglicht. Das Werkzeug ist mit Schiebern ausgestattet, die beim Entformen “wegklappen” (Klappen-Werkzeug). Dadurch wird der Entformvorgang komplexer und das Werkzeug kostenintensiver. Daher sollten sie immer auf ein Minimum reduziert werden.

3. Wählen Sie das Material bewusst und bedarfsgerecht aus

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Wahl eines Materials, das mehr kann als eigentlich notwendig ist. Diese sogenannte „Überdimensionierung“ führt unnötig zu höheren Kosten im Thermoformen. Stattdessen sollte die Materialauswahl konsequent nach dem Bottom-Up-Prinzip erfolgen: Es wird genau das Material gewählt, das die Anforderungen exakt erfüllt.

Das sorgt für eine wirtschaftlichere Lösung bei gleicher Funktionalität.

💡 Wie Sie das passende Material für Ihr Projekt auswählen, erfahren Sie in unserem Whitepaper In 6 Schritten zum richtigen Kunststoff für Ihr Tiefziehprojekt.

4. Nutzen Sie eingefärbtes Halbzeug für farbige Teile

 

Tiefgezogene Kunststoffwanne rot nachlackiert

In vielen Projekten erfolgt die Farbgebung erst nachgelagert im Prozess, wie etwa durch Kunststofflackierung. Das bedeutet einen zusätzlichen Arbeitsschritt, der Zeit und Geld kostet.

Wird stattdessen bereits eingefärbtes Halbzeug eingesetzt, kann dieser Schritt entfallen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Stückzahlen und die Lieferkette die Beschaffung zulassen.

5. Reduzieren Sie den Materialeinsatz durch intelligente Konstruktion

Das Material ist einer der größten Kostenfaktoren im Thermoformen. Deshalb lohnt es sich besonders, hier anzusetzen. Durch eine clevere Konstruktion kann die Materialstärke reduziert werden, ohne die Stabilität zu gefährden. Häufig kommen dabei Verstärkungsstrukturen wie Rippen zum Einsatz.

Rippen am Tiefziehteil Grafik
Rippen am Tiefziehteil für mehr Stabilität bei geringer Materialstärke

Typische Effekte sind:

  • geringerer Materialverbrauch
  • niedrigere Stückkosten
  • gleichbleibende Bauteilqualität

💡 Bei einzubringenden Rippen oder auch Verstrebungen gilt es zu beachten: Zu viele Querrippen mit geringem Abstand beeinflussen das Ziehverhältnis negativ und die Distanz zwischen einzelnen Querrippen muss mindestens so groß sein wie deren Tiefe.


Fazit: Die Reduktion von Kosten im Thermoformen beginnt bei der richtigen Konzeption

Die größten Einsparpotenziale im Tiefziehen entstehen nicht erst in der Produktion, sondern bereits in der Entwicklungs- und Konstruktionsphase. Wer frühzeitig auf eine materialeffiziente Auslegung, einfache Geometrien und eine werkzeuggerechte Konstruktion achtet, legt den Grundstein für dauerhaft niedrige Stückkosten.

Tipp: Mit unserer DfM-Analyse Software prüfen wir Ihre Daten auf Tiefziehbarkeit und ermitteln für Sie das beste Kosten-Nutzen Verhältnis.

Häufig gestellte Fragen zur Kostenreduktion im Thermoformen

Wann lohnt sich ein Mehrfachwerkzeug oder eine Werkzeugoptimierung?

Ein Mehrfachwerkzeug oder eine Optimierung des Werkzeugs lohnt sich besonders bei mittleren bis hohen Stückzahlen. Mit steigender Produktionsmenge verteilen sich die Investitionskosten besser, während effizientere Werkzeuge und kürzere Taktzeiten die Stückkosten deutlich reduzieren.

Warum ist die Materialwahl bei den Tiefziehkosten so entscheidend?
Woraus setzen sich die Gesamtkosten im Tiefziehen zusammen?

Weiterführende Inhalte

10 Angaben Checkliste Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Checkliste: 10 Angaben, die ein Kunststoff Tiefzieher von Ihnen braucht

Sie planen die Beschaffung von Kunststoff Tiefziehteilen und möchten eine Anfrage stellen. Doch welche Angaben braucht ein Tiefzieher wirklich, um Ihnen ein aussagekräftiges Angebot zu erstellen?Unvollständige Anfragen führen zu Rückfragen, verzögern die Angebotserstellung und erschweren die technische Bewertung. Wer die richtigen Informationen von Anfang an liefert, erhält schneller eine belastbare Einschätzung und vermeidet unnötige Abstimmungsschleifen.
Tiefzieheinlage online anfragen_Banner
Plattform & Funktionen

Standard-Tiefzieheinlagen aus Kunststoff bestellen: Schritt für Schritt für den formary Online-Shop

Standard-Tiefzieheinlagen aus Kunststoff eignen sich für Unternehmen, die KLTs oder Eurobehälter schnell, ohne Werkzeugkosten und bereits ab kleinen Mengen ausstatten möchten. Im formary Online-Shop stehen 220 fertige Einlagen zur Auswahl, darunter Standard-Varianten aus weißem PS und ESD-beständige Varianten aus leitfähigem schwarzem PS. In diesem Beitrag zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie passende Standard-Tiefzieheinlagen im formary Online-Shop finden, technische Details prüfen, ein Muster anfordern und anschließend ein Angebot einholen.
Bauteilsicherheit_Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Bauteilsicherheit für Ihre Kleinteile: Wie Kunststoff Tiefzieheinlagen für einen sicheren Transport sorgen

Empfindliche Bauteile benötigen Schutz vor Beschädigungen, um Kosten und Ausfälle zu vermeiden. Kunststoff Tiefzieheinlagen bieten eine effiziente Lösung für sicheren Transport und Lagerung. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Tiefzieheinlagen für eine optimale Bauteilsicherheit sorgen.
KLT Einlagen_Banner
Tiefziehteile in der Praxis

KLT Einlagen – Optimale Lösung für Transport und Lagerung

Kleinladungsträger (KLTs) werden als Transport- und Lagerbehälter in zahlreichen Branchen verwendet. Ihre Funktionalität wird dabei durch KLT Einlagen erweitert. KLT Inlays schützen empfindliche Bauteile, optimieren die Organisation und erleichtern die Handhabung. Mehr dazu im Beitrag.
Stapeltechniken zur Vermeidung von Transportschäden Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Welche Stapelmethoden gibt es bei Trays? 4 Stapelmethoden zur effizienten Palettierung

Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Stapelmethoden für welche Anwendungen eingesetzt werden, wo typische Fehlerquellen liegen und welche Stapelung Ihnen den größten Mehrwert bringt.
Formnester von Trays bestimmen
Tiefziehteile in der Praxis

Formnester Ihres Werkstückträgers bestimmen: Anforderungen & Herausforderungen

Formnester oder auch Kavitäten können vielfältig sein: rechteckig, rund, formangepasst, Bahnen, Rippen oder Dome. Wie entscheidet sich also, welches Formnest das richtige ist? Mehr dazu im Beitrag.
Was ist ein Werkstückträger_Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Was ist ein Werkstückträger? Definition & Anwendungen

Eine ständige Herausforderung der Fertigungsindustrie ist das effiziente Lenken des Materialflusses für die Herstellung von Produkten - über alle Montagestufen und Abteilungen hinweg. Die Bewältigung dieser logistischen Herausforderungen kann durch den Einsatz von produktspezifischen Werkstückträgern optimal gelöst werden. Mehr dazu im Beitrag.
Design for Manufacturing Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Design for Manufacturing (DfM): Leitfaden für fertigungsgerechtes Design

Mit der neuen Design for Manufacturing Analyse von formary gibt es jetzt die Möglichkeit, CAD-Daten in Sekundenschnelle auf Tiefziehbarkeit zu prüfen - und so potenzielle Fehlerquellen früh zu erkennen, bevor sie teuer werden. Welche Funktionen die DfM-Software bietet und was das Design for Manufacturing Prinzip beinhaltet, erfahren Sie im Beitrag.
Kunststoff Tiefziehteile konstruieren_Banner
Tiefziehteile in der Praxis

Kunststoffteile konstruieren: 13 Designregeln für kunststoffgerechte Konstruktion im Thermoforming

Beim Konstruieren von Kunststoff Tiefziehteilen müssen bestimmte Designregeln beachtet werden, um Materialfehler, Verzug oder unnötige Kosten zu vermeiden. Faktoren wie Radien, Wandschrägen oder das Umformverhältnis haben direkten Einfluss auf die Bauteilqualität und Herstellbarkeit. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen die wichtigsten Konstruktionsregeln im Thermoforming. Praxisnah, verständlich und direkt umsetzbar.

Tiefziehteile einfach gemacht. Mit formary.

Erhalten Sie noch heute Ihr unverbindliches Angebot.