Tiefziehteile in der Praxis

Stückkosten und Werkzeugkosten im Tiefziehen: Kostenfaktoren und Skalierbarkeit

Die Kosten im Kunststoff Tiefziehen sind ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit und Planung eines Projekts. Sie hängen von verschiedenen Einflüssen entlang der Prozesskette ab und verändern sich je nach Stückzahl und Anforderungen. Dieser Beitrag erklärt, wie sich die Kosten beim Kunststoff Tiefziehen zusammensetzen, wie sich diese mit steigender Stückzahl entwickeln und ab wann sich das Verfahren besonders lohnt.


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Simon Andreß

Aktualisiert am 28. August 2026

Banner Werkzeug und Stueckkosten im Tiefziehen
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Zusammenhang von Stückkosten und Werkzeugkosten im Tiefziehen - Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kosten beim Tiefziehen setzen sich vor allem aus Werkzeug-, Material-, Fertigungs-, Energie- und Lohnkosten zusammen.
  • Werkzeugkosten fallen einmalig an und liegen typischerweise zwischen 800 € und 10.000 €.
  • Stückkosten bewegen sich meist zwischen 0,20 € und 15 € pro Teil, abhängig von Material, Geometrie und Stückzahl. Bei besonders großen oder aufwändigen Teilen können diese Kosten auch höher ausfallen
  • Mit steigender Produktionsmenge sinken die Stückkosten deutlich, besonders beim Übergang von der Kleinstserie zur Kleinserie.

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Welche Faktoren bestimmen die Kosten beim Tiefziehen?

Bei der Herstellung von Kunststoff Tiefziehteilen wirken mehrere Kostenfaktoren zusammen. Diese bestimmen sowohl die Gesamtkosten eines Tiefziehprojekts als auch die Entwicklung der Stückkosten beim Tiefziehen mit steigender Produktionsmenge.

Kostenfaktoren im TiefziehenZusammensetzung dieser Faktoren
WerkzeugkostenKonzeption, Design, Konstruktion der Werkzeugdaten sowie Fräsen und Herstellung des Tiefziehwerkzeugs.
MaterialkostenBezugspreis des Kunststoff-Halbzeugs (z. B. Platten oder Folien) bei Materialherstellern oder -händlern
FertigungskostenMaschinenstundensatz der Tiefziehmaschine multipliziert mit der gesamten Produktionszeit.
EnergiekostenStromkosten für die Maschine sowie Energie für automatisierte Arbeitsschritte und Peripheriegeräte.
LohnkostenPersonalkosten für Maschinenbedienung und manuelle Arbeitsschritte

Werkzeugkosten als Startinvestition

Die Werkzeugkosten sind beim Tiefziehen eine einmalige Anfangsinvestition. Sie entstehen zu Beginn eines Projekts und fallen danach nicht mehr an. Typische Tiefziehwerkzeuge kosten je nach Größe, Komplexität und Nutzenanzahl zwischen etwa 800 € und 10.000 €. Höhere Kosten entstehen oft dann, wenn die Auslegung des Werkzeugs anspruchsvoller ist.

Was treibt die Werkzeugkosten? 

Die Werkzeugkosten werden durch Material, Geometrie und die Maschine, auf die das Werkzeug ausgelegt wird, angetrieben. Auch zusätzliche Komponenten wie Stapelstationen oder Unterbauten können den Preis spürbar erhöhen. Mit steigender Stückzahl verteilen sich diese Fixkosten auf immer mehr Bauteile, wodurch der Werkzeugkostenanteil pro Teil deutlich sinkt.

Tiefziehwerkzeug aus Aluminium
Serienwerkzeug aus Aluminium

💡Ist ein Werkzeug erstmal hergestellt, kann es immer wieder verwendet werden. Es gibt auch die Möglichkeit, bei einem Lieferantenwechsel, das vorherige Werkzeug zu übernehmen, um Kosten zu sparen. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Werkzeugübernahme im Tiefziehen.

Was kostet ein Tiefziehteil pro Stück?

Die Stückkosten beim Tiefziehen hängen von mehreren Faktoren ab:

  • verwendetes Material
  • Materialausgangsstärke
  • Bauteilgröße und Geometrie
  • Automatisierungsgrad der Fertigung
  • produzierte Stückzahl
  • etc.

Im Bereich Standard-Trays, Inlays und Behältnisse bewegen sich die Stückkosten typischerweise zwischen 0,20 € und 15 € pro Stück. Bei großen Gehäuseteilen oder aufwändig nachbearbeiteten Tiefziehteilen können die Kosten deutlich darüber liegen. Der genaue Preis hängt vom jeweiligen Projekt und den Anforderungen an das Bauteil ab.

Wie sich Kosten mit steigender Stückzahl entwickeln

Mit zunehmender Produktionsmenge sinken die Stückkosten beim Tiefziehen. Maschinenstillstände verteilen sich auf mehr Teile und automatisierte Prozesse ermöglichen einen höheren Output pro Stunde.

Gleichzeitig verändert sich die Kostenstruktur: Während bei kleineren Serien Werkzeugkosten noch einen großen Anteil haben, verschiebt sich der Schwerpunkt bei größeren Serien zunehmend auf die Materialkosten.

Grafik Entwicklung Kostenfaktoren nach Stueckzahl

💡 Ein Beispiel: Bei rund 1.000 Stück können Werkzeugkosten noch etwa 60 % der Gesamtkosten ausmachen. Bei 10.000 Stück sinkt ihr Anteil häufig auf etwa 10 %, während der Materialkostenanteil entsprechend steigt.

Stückkostendegression zwischen Klein- und Mittelserie

Die stärkste Reduktion der Stückkosten entsteht meist beim Übergang von sehr kleinen Mengen zu kleineren Serien. Bereits der Schritt von einer Kleinstserie (<10 Teile) zu einer Kleinserie (<100 Teile) kann deutliche Kostenvorteile bringen.

Ein weiterer wirtschaftlicher Sprung entsteht häufig beim Übergang zur Mittelserie mit bis zu etwa 5.000 Teilen, da Material häufig günstiger beschafft werden kann. In großen Serien sinken die Stückkosten meist nur noch geringfügig. Hier spielen oft nur noch kleine Optimierungen eine Rolle.

Weitere Informationen finden Sie unter Kostenreduktion im Tiefziehen.

Kostenvorteile des Tiefziehens gegenüber anderen Verfahren

Das Thermoforming hat gegenüber anderen Verfahren klare wirtschaftliche Vorteile:

  • Günstigere Werkzeuge: Tiefziehwerkzeuge kosten deutlich weniger als Spritzgusswerkzeuge. (Mehr dazu in unserem Beitrag Spritzguss vs. Thermoformen)
  • Weniger Nacharbeit: Eingefärbte Kunststoffplatten machen Lackieren oft überflüssig.
  • Große Bauteile aus einem Werkzeug: Kunststoffplatten bis etwa 4.000 × 3.000 mm ermöglichen die Fertigung großer, dünnwandiger Bauteile in einem Stück.
  • Wirtschaftlich bereits bei kleinen Serien: Die vergleichsweise niedrigen Werkzeugkosten ermöglichen einen günstigen Projektstart und einen flexiblen Markteintritt.
  • Schnelles und kostengünstiges Prototyping: Werkzeuge aus Ureol oder aus dem 3D-Druck erlauben die schnelle Herstellung erster Prototypen und Musterteile.

💡 Wenn Sie Tiefziehen mit anderen Kunststoffverarbeitungsverfahren vergleichen möchten, finden Sie in unserem Beitrag Kunststoff-Fertigungsverfahren im Vergleich eine übersichtliche Gegenüberstellung der gängigsten Verfahren.

Hohe Skalierbarkeit in der Serienproduktion

Ein unterschätzter Vorteil des Tiefziehens ist die langfristige Skalierbarkeit. Sobald das Werkzeug steht, kann damit nahezu unbegrenzt produziert werden. Die anfängliche Werkzeuginvestition verliert mit jeder produzierten Einheit an Gewicht.

Dadurch sinken die Kosten pro Tiefziehteil kontinuierlich mit steigender Stückzahl. Das macht das Verfahren besonders attraktiv für Projekte, die nach einer Markteinführungsphase in größere Stückzahlen wachsen sollen.


Der Zusammenhang von Stückkosten und Werkzeugkosten im Tiefziehen - Ein Fazit 

Tiefziehen ist ein wirtschaftlich attraktives Verfahren, besonders für Projekte, die mit kleineren Serien starten und später skalieren wollen. Die Werkzeugkosten beim Tiefziehen sind einmalig und überschaubar, und mit wachsender Stückzahl sinken die Kosten pro Bauteil spürbar.

Wer die Kosten beim Tiefziehen von Anfang an im Blick behält und die Stückzahlentwicklung mitdenkt, kann das Verfahren gezielt einsetzen und wirtschaftliche Vorteile voll ausschöpfen. Sie haben noch Fragen dazu? Kontaktieren Sie uns, wir helfen Ihnen gerne weiter!

Häufige Fragen zum Zusammenhang zwischen Stückkosten und Werkzeugkosten im Tiefziehen

Wie hoch sind typische Stückkosten im Tiefziehen?

Die meisten gängigen Tiefziehteile liegen zwischen 0,20 € und 15 € pro Stück. Der genaue Preis hängt von Material, Geometrie, Bauteilgröße und Stückzahl ab.

Ab welcher Stückzahl amortisiert sich ein Tiefziehwerkzeug?

Kann ein Tiefziehwerkzeug für sehr große Stückzahlen genutzt werden?

Lohnt sich Tiefziehen auch für kleine Stückzahlen?

Wie schnell kann ein Tiefziehwerkzeug hergestellt werden?

Wie lassen sich Werkzeugkosten bei tiefgezogenen Kunststoffteilen pro Artikel senken?

Welche Mindeststückzahl ist für ein technisches Tiefziehteil wirtschaftlich sinnvoll?

Welche Werkzeugarten gibt es beim Tiefziehen und was kosten sie?

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